Das Testament fürs Internet: Digitalen Nachlass regeln

E-Mails, Internetprofile, Speichermedien: Was passiert mit den Daten eines Internetbürgers, wenn er stirbt? Nur wenige Dienste bieten von sich aus Vorsorgemöglichkeiten an. Höchste Zeit, den digitalen Nachlass in einem Testament zu regeln. In einem Testament für das Internet und seine Dienste. 

In den Kontoeinstellungen auf dem sozialen Netzwerk Google+, unter dem Punkt "Persönliche Daten und Privatsphäre", finden registrierte Nutzer der Dienste von Google einen "Kontoinaktivitäts-Manager". Darin können sie festlegen, was mit ihrem Konto und den damit verbundenen Daten geschieht, wenn das Konto längere Zeit inaktiv ist. Der Kontoinaktivitäts-Manager gilt für alle Google-Dienste. Google-Nutzer können für den Fall beispielsweise die Löschung von Konto und Daten festlegen - oder sie hinterlegen die Daten einer nahe stehenden Person, die benachrichtigt wird und dann entscheiden muss, was mit den Inhalten geschieht. Damit zählt Google zu den Vorreitern bei der Regelung eines digitalen Nachlasses.
 Im Internet spricht man ungern über den Tod
Spricht man schon im richtigen Leben ungern über den Tod, spielt er in der Welt der Daten eine noch geringere Rolle. Und wirbt nicht gefühlt jedes zweite Online-Actionspiel mit der Aussicht darauf, als Held Geschichte zu schreiben? Neun von zehn Internetnutzern (93 Prozent) hinterlassen im Todesfall ihren digitalen Nachlass ungeregelt. Das ergab eine repräsentative Befragung im Auftrag des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Laut Studie würden zwar acht von zehn (78 Prozent) Internetnutzern ihren digitalen Nachlass regeln, doch sie fühlen sich nicht ausreichend informiert. Dabei kann es im digitalen Nachlass um weit wichtigeres gehen als Kommunikationsprotokolle oder private Fotos im sozialen Netzwerk. In E-Maileingängen liegen oft viele wichtige Informationen zu Versicherungen oder Bankgeschäften. Der digitale Nachlass steht dem auf Papier in seiner Bedeutung oft nicht nach. Der digitale Nachlass umfasst: 
  1. Gespeicherte Daten auf verschlüsselten und unverschlüsselten Datenträgern, auf Smartphones, Tablets und Computern
  2. Daten in der Cloud
  3. Profile und Daten auf sozialen Netzwerken 

Wer seinen digitalen Nachlass regeln möchte sollte sich zwei Fragen stellen: 

Regeln für ein "digitales" Testament

Im Gegensatz zum Erbrecht an Sachgegenständen gebe es derzeit keine gesetzlichen Regelungen zum Umgang mit dem digitalen Nachlass, kritisiert der Digitalverband BITKOM und rät: Jeder Nutzer sollte schriftlich festhalten, wie und durch wen nach dem Tod diese digitalen Daten verwaltet werden. Was bewahrt und was gelöscht werden soll, kann der Erblasser in einem Testament oder einer Vollmacht verfügen. Diese Verfügungen müssen gesetzlichen Vorschriften genügen.  

Im Internetzeitalter sollten Erblasser vor allem an E-Maildienste und Online-Profile denken. In der Regel hat niemand außer dem Nutzer selbst Zugriff auf Mailadressen, Clouddaten und Onlineprofile. Welche Regelungen gelten für die Bestandteile eines digitalen Nachlasses?
  

1. Daten auf Datenträgern, Smartphones oder Computern vererben

Ohne Testament bekommen die gesetzlichen Erben alle Gegenstände des Verstorbenen. Das umfasst auch Computer, Smartphones oder Datenträger (CDs, DVDs, USB-Sticks, Festplatten). Die Erben erhalten uneingeschränkten Zugriff auf alle Daten auf den Geräten. Wer das nicht möchte, muss zu Lebzeiten bestimmen, wer was bekommt oder einsehen darf. Der Erblasser kann einen Notar oder Nachlassverwalter beauftragen, bestimmte Dateien oder Datenträger zu vernichten, die er lieber unbesehen durch Dritte mit ins Grab nehmen möchte. 

2. Zugriff auf Online-Dienste und E-Mail-Konten regeln 

Mit dem Erbe treten die Erben auch in die Verträge des Verstorben ein. Gegenüber E-Mail- und Cloud-Anbietern können Erben in der Regel Sonderkündigungsrechte in Anspruch nehmen. Damit wird ein kostenpflichtiger Account zwar gelöscht, der Zugriff auf die Inhalte bleibt aber weiter verwehrt. Bei Online-Kommunikation beispielsweise per E-Mail oder Chat gelte das Fernmeldegeheimnis, das auch die Rechte der Kommunikationspartner des Verstorbenen schütze, erklärt der BITKOM. Wer seinen Erben Zugriff auf E-Maildienste, Cloud-Speicher und Onlinekonten einräumen möchte, sollte dies also unbedingt zu Lebzeiten im Testament oder in der Vollmacht festlegen. Die Zugriffsrechte kann der Erblasser auch für jedes Konto einzeln gestatten - oder auch nicht. Die Zugangsdaten für Onlinedienste kann er mit Benutzernamen und Passwort beim Notar hinterlegen. Achtung! Für jede Passwortänderung verlangt der Notar zusätzliche Gebühren. 

3. Profile in sozialen Netzwerken 

Googles Kontoinaktivitäts-Manager ist bisher eine Ausnahme. Nutzer können über ihn schon zu Lebzeiten ihren Nachlass für die Angebote Google+, Blogger, Google Drive, Googlemail, Picasa, Google Voice und Youtube regeln. In der Regel müssen Hinterbliebene aktiv werden und die Betreiber von sozialen Netzwerken benachrichtigen, wenn sie von Mitgliedschaften des Verstorbenen erfahren. Bei Facebook zum Beispiel könnten Erben die Entfernung des Nutzerkontos eines Verstorbenen beantragen oder das Profil in einen "Gedenkzustand" versetzen, teilt der BITKOM mit. Die Profilinhalte blieben dann erhalten und Freunde oder Familienmitglieder könnten in der Chronik Erinnerungen teilen. Bei beruflichen Netzwerken wie etwa Xing und LinkedIn wird das Profil unsichtbar geschaltet, sobald der Betreiber vom Tod eines Mitglieds erfährt. Unter Umständen wird der Betreiber die Vorlage einer Sterbeurkunde verlangen.


letzte Änderung W.V.R. am 10.08.2017
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  BITKOM, test.de
Bild:  panthermedia.net / Maximilian Fellermeyer

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Der Autor:
Herr Wolff von Rechenberg
Wolff von Rechenberg betreut als Redakteur die Fachportale der reimus.NET sowie das Controlling-Journal. Der gelernte Zeitungsredakteur arbeitete als Wirtschafts- und Verbraucherjournalist für verschiedene Onlinemedien und versorgt seit 2012 die Fachportale der reimus.NET mit News und Fachartikeln.
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