Cloud Computing in Unternehmen: Pro und Contra

Deutsche Unternehmen zögern immer noch vor dem Schritt in die Cloud. Aber was ist eigentlich die Cloud? Welche Argumente sprechen dafür und dagegen? Findsoftware hat sie zusammengetragen.

Schreiben, Berechnen, Buchführen, Kundensupport: Für alle softwaregestützten Prozesse in einem Unternehmen stehen Dienste im Internet zur Verfügung, in der sogenannten Cloud. Diese Clouddienste punkten vor allem mit schneller und einfacher Verfügbarkeit. Besonders für Kleinunternehmen ohne Fachpersonal sind diese Dienste Hilfe und Verführung zugleich. Der Hitech-Verband BITKOM stellte kürzlich fest: Cloud Computing wächst - trotz Bedenken.
Pro: Argumente für Cloud Computing
Beispiel: Klaus A. gründet einen Onlineshop. Zunächst startet der Jungunternehmer mit einem Laptop und einem Handy doch schnell wächst das Unternehmen. Er mietet Räume an, richtet zusätzliche Arbeitsplätze ein. Eine Buchführungssoftware ersetzt die selbst gebastelten Excel-Tabellen. Ein Mitarbeiter beantwortet Kundenanfragen per E-Mail oder am Telefon. Wächst das Unternehmen weiter, braucht Klaus A. verteilte Zugriffe auf Software und Anwendungen. 

Wenn mehrere Mitarbeiter parallel Kundenkontakte abrufen und bearbeiten, reicht das Adressbuch vom Mailclient nicht mehr. Termine müssen abgestimmt und Kundenanfragen dem richtigen Mitarbeiter zugeordnet werden. Doch die Werkzeuge für die gewachsenen Aufgaben wollen geplant und eingerichtet sein. Folgende Argumente sprechen dabei für den Schritt in die Cloud.

1. Skalierbarkeit

Viele Gründer starten wie unser Beispielunternehmer Klaus A. aus unserem Beispiel. Sie geraten immer wieder an Grenzen, Technik fällt aus, muss erweitert oder auf den neuesten Stand gebracht werden. Das kostet Nerven und Geld. Zudem birgt jeder Eingriff in die Software das Risiko eines Ausfalls. Clouddienste wachsen mit. Das meint der Fachausdruck „Skalierbarkeit“. Sie lassen sich vergrößern oder um neue Funktionen erweitern.

2. Betriebssicherheit

Funktioniert eine Software nicht fehlerfrei, liegt das fast immer am Nutzer, der sie installiert und eingerichtet hat. Wer seine Software selbst betreibt, muss immer wieder entscheiden: Ist eine Softwareaktualisierung notwendig, ratsam, oder gefährdet sie das System? Funktioniert ein Zusatzmodul wirklich so fehlerfrei, dass es in den Produktivbetrieb übergehen kann? Der Cloudanbieter nimmt dem Unternehmer alle technischen Probleme ab.

3. Zugriff von überall und jederzeit

Cloudanwendungen stehen im Internet zur Verfügung, also überall und zu jeder Zeit. Dadurch lassen sich Ressourcen effizienter nutzen. Reicht der Platz im Büro nicht mehr, kann unser Beispielunternehmer Klaus A. einen Mitarbeiter im Home Office arbeiten lassen. Oder ein Supportmitarbeiter könnte im Home Office die Nachtschicht übernehmen, wenn das Bürogebäude abgeschlossen ist. Klaus A. selbst hätte bei Messebesuchen oder Treffen mit Geschäftspartnern stets alle wichtigen Unterlagen sofort zur Hand.

4. Kalkulierbare Kosten

Gekaufte Software kostet zwar nur einen einmaligen Preis, zieht aber weitere Kostenrisiken nach sich. Fällt etwas aus, muss sich ein Mitarbeiter im Unternehmen den Kopf zerbrechen, wie er den Onlineshop oder die Buchhaltung wieder flott bekommt. Während dieser Zeit steht er nicht für andere Aufgaben zur Verfügung.  Für Cloud Computing zahlt das Unternehmen eine feste Gebühr – in der Regel monatlich. Unvorhergesehene Kosten schließt das Cloud Computing praktisch aus.

5. Nachhaltigkeit

Sicher verschlingen Rechenzentren riesige Mengen Energie. Andererseits nutzen Rechenzentren ihre Kapazitäten stets optimal – schon aus Kostengründen. 

Contra: Argumente gegen Cloud Computing

Cloud Computing ist schnell eingerichtet und birgt gerade dadurch Risiken. Außerdem gibt ein Unternehmen Daten an Dritte heraus. So kritisieren Gegner von Cloud Computing. Allerdings setzt selbst installierte Software immer ein gewisses Maß an eigenem Können und Wissen voraus.  

1. Abhängigkeit von einem Anbieter

Wer Geschäftsprozesse in die Cloud verlagert, gerät leicht in eine Abhängigkeit von einem Anbieter. So kann unser Beispielunternehmer Klaus A. bequem per Mausklick seinen Onlineshop per Cloud Computing starten. Stellt sich die Wahl als Irrtum heraus, bringt ein Wechsel unüberschaubare Risiken mit sich: Behält der Shop beim neuen Anbieter sein gewohntes Erscheinungsbild? Bleiben Links zu Informationen oder Produkten erreichbar? In jedem Fall beschert der Wechsel eine Menge Ärger und eine kürzere oder längere Auszeit, in der keine neuen Umsätze entstehen. Zudem kann natürlich auch ein Cloud Anbieter Konkurs anmelden.

2. Verloren in der Inselgruppe

Cloud Anbieter stellen mehr oder weniger geschlossene Insellösungen zur Verfügung. So lassen sich im Helpdesk in der Regel keine Kundendaten direkt aus dem Shop verwenden. Meist lassen sich Daten exportieren und anderswo importieren. CSV ist ein beliebtes Dateiformat für den Datenaustausch. Allerdings muss diesen Austausch ein Mitarbeiter manuell ausführen. Wer für alle Prozesse auf Cloud Computing setzt, findet sich leicht in einer Inselgruppe wieder, in der jede Verbindung zusätzliche Arbeit erfordert.

3. Sicherheit

Viele Cloudanbieter garantieren eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent. Das bedeutet, dass beispielsweise der Onlineshop von Klaus A. bei 100 von 100.000 Zugriffen streikt. Tatsächlich lässt sich diese Zahl senken, wenn ein Unternehmer seinen Shop auf eigenen Servern betreibt. Allerdings sollten die Server dann auch über eine entsprechend leistungsfähige Verbindung zum Internet verfügen. Ähnliches gilt für Softwarefehlfunktionen, die bei Cloud Computing ab und zu vorkommen. Auch hier kann eigene Software zu stabileren Ergebnissen führen. Vorausgesetzt, das Unternehmen verfügt über das nötige technische Know how.

4.  Datenschutz

Wenn Klaus A. seinen Onlineshop auf eigener Technik betreibt, weiß er wo die Server stehen. Dann kann er seinen Kunden stolz garantieren, dass ihre Daten auf eigenen Servern verarbeitet und nicht herausgegeben werden. Einem Händler kann das einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Für Behörden, soziale Einrichtungen, Krankenhäuser oder Krankenkassen ist eine solche Garantie Pflicht, um nicht das Vertrauen von Bürgern, Kunden, Klienten oder Patienten zu verlieren. Allerdings gilt auch hier: Der Datenschutz in einem Unternehmen kann nur so gut sein wie das technische Personal, das ihn sicherstellen muss.

Cloud oder nicht?

Großunternehmen betreiben eigene Cloudsysteme. Sie brauchen nicht auf Cloud Angebote zurückzugreifen und tun das auch nur in Ausnahmefällen. Cloud oder nicht? Vor dieser Frage stehen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Die Frage hängt vor allem an einer anderen Frage: Steht im Unternehmen überhaupt die technische Qualifikation zur Verfügung, um geschäftliche Prozesse zu wettbewerbsfähigen Preisen auf eigener IT zu betreiben – mit derselben Ausfallsicherheit, mit derselben Flexibilität und mit dem gleichen Maß an Datenschutz.

7 Fragen zur Auswahl des Clouddienstes

Viele Unternehmen werden das verneinen müssen. Die Bedenken gegen Cloud Dienste sollten sie dennoch ernst nehmen. Einen Cloud Dienst sollte ein Unternehmen mit der gleichen Sorgfalt auswählen wie Business Software allgemein. Folgende Fragen sollten sich Unternehmer stellen:
  1. Brauche ich für den betreffenden Bereich Cloud Computing?
  2. Wie transparent ist die Preisgestaltung?
  3. Welche Leistungen bietet der Cloudservice, und welche Leistungen lassen sich später hinzubuchen?
  4. Welche Leistungen garantiert der Anbieter hinsichtlich Verfügbarkeit und Datensicherheit?
  5. Welche Möglichkeiten bietet der Dienst zum Import und Export von Daten?
  6. Bieten sich Synergieeffekte, beispielsweise weil ein Dienst über Schnittstellen zu einem anderen verfügt, der bereits genutzt wird?
  7. Welche Standards gelten im betreffenden Marktsegment? 
Weitere Informationen und Tipps zum sicheren Cloud Computing bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).



letzte Änderung W.V.R. am 10.08.2017
Erstellt: 11.09.2015 13:32:02
Geändert: 10.08.2017 08:35:51
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  BSI, Deutsche Telekom, Interoute, iTeam.de
Bild:  panthermedia.net / Wavebreakmedia ltd.

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